Engagement – Digitalisierung – Förderung

Rückblick auf das 12. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin

 

Am 23. und 24. Januar 2019 fand unter dem Titel „Gemeinsame Aufgabe für Staat und Gesellschaft“ das 12. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen der Grünen Woche statt. Für verschiedene Verbundvorhaben in Stadt-Land-Plus waren die Themen der Veranstaltung spannend nicht zuletzt mit Blick auf die Querschnittsthemen „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse fördern – Attraktive Regionen gestalten“ und „Digitalisierung – Gemeinsame Chancen für Stadt und Land ergreifen“. Laut Pressemeldung des BMEL kommen beim Zukunftsforum mehr als 1300 Multiplikatoren aus dem Ländlichen Raum zusammen, die alle dazu beitragen wollen, ein Auseinanderdriften von Stadt und Land und der Regionen untereinander zu verhindern. Mehr Infos ...

Der Eröffnungsrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier folgte eine Rede der Bundesministerin Julia Klöckner. Beide unterstrichen die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für den ländlichen Raum bei gleichzeitiger Verantwortung der Politik für die Daseinsvorsorge. Laut Tweet des BMEL sagte Ministerin Klöckner in Ihrer Eröffnungsrede: "Eine Politik für gleichwertige Lebensverhältnisse muss ländliche Räume auf Augenhöhe mit urbanen Räumen sehen, als dezentrale Kraftzentren unseres Landes!"

Dr. Brigitte Mohn, Mitglied Vorstand Bertelsmann Stiftung und Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sprachen sich in ihrer Diskussion für mehr gesetzliche Freiräume zum Ausprobieren und in der Förderstruktur aus. Kreative Ideen im ländlichen Raum stießen oft an regulatorische Hürden und hemmten die Entwicklung.

Das anschließende Fachforum „Das sorgende Dorf in einer digitalen Welt: Zukunftschancen für den ländlichen Raum“ wurde von der Diakonie Deutschland und der Caritas Konferenz angeboten und verfolgte den Gedanken des Prinzips eines sorgenden Gemeinschaft für die Gestaltung einer lebendigen Zivilgesellschaft in Verknüpfung mit digitalen Mitteln. Eine Gemeinschaft organisiere sich nicht von alleine sondern sei auf intermediäre Strukturen angewiesen. Die Digitalisierung böte die Instrumente und Wohlfahrtsverbände dienten als Multiplikatoren. Verschiedene Förderprojekte, z.B. „nebenan.de“, „Smart Country Side“, FAPIQ des Landes Brandenburg und Initiativen, z.B. „Wir sind alle Nachbarn“ der Diakonie, wurden vorgestellt. Auch wenn die Digitalisierung Gefahren mit sich bringe, seien die technischen Fortschritte eine große Chance gesellschaftliche Teilhabe niedrigschwellig zu ermöglichen.

Mit Blick auf die Handlungsempfehlungen der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ (Link) des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) wurde gewarnt, diese auf die Schaffung wirtschaftlicher Gleichwertigkeit zu reduzieren. Die soziale Infrastruktur sei unabdingbar und nur mit Hauptamt, flankiert durch Ehrenamt, nachhaltig tragbar.

In dem folgenden Fachforum wurde die Frage des Wissenstransfers und Verstetigung anhand verschiedener Förderregionen im Modellvorhaben Land(auf)Schwung des BMEL diskutiert, die im letzten Jahr der Förderung stehen. Die Verankerung von Kompetenzen im Ehrenamt ersetze jedoch keine hauptamtliche Kümmer*in, so die Quintessenz. Statt zeitlich begrenzter Programme wurde das Testen von Instrumenten neuartiger Regionalentwicklung vorgeschlagen. Hierzu gehöre ein frei verfügbares Regionalbudget oder die Einrichtung von Förderlotsen.

Das Forum zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 befasste sich mit der Neustrukturierung der Förderung auf Ergebnisorientierung und einer einhergehenden möglichen bürokratischen Vereinfachung für Bund, Länder und Antragstellende. Eher am Rande wurde das neu einbezogene Förderziel Ländliche Entwicklung, als eines von neun spezifischen Unterzielen und ihre Relevanz, mitdiskutiert. Diverse anwesende regionale Akteure fürchteten eine Vernachlässigung der Förderung zur Entwicklung des ländlichen Raumes nach 2020. Martin Scheele, EU-Kommission DG Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, wies darauf hin, dass die GAP eine Positionierung mit anderen Förderprogrammen und Sozialfonds vorsehe und die ländliche Fokus nicht im Fokus stünde.

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Bundespräsident Steinmeier während der Eröffnung des 12. Zukunftsforums Ländliche Entwicklung
Bundespräsident Steinmeier während der Eröffnung des 12. Zukunftsforums Ländliche Entwicklung

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