RAMONA: Workshop Produktionsintegrierte Kompensation

Arbeitsgruppe Produktionsintegrierte Kompensation (PiK) © Christian Sponagel

Am 20.01.2021 hat die Arbeitsgruppe Produktionsintegrierte Kompensation (PiK) des Forschungsvorhabens RAMONA zu einem digitalen Workshop eingeladen. Vor mehr als 25 Expertinnen und Experten aus der Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltung, maßgeblichen Ministerien, der landwirtschaftlichen Berufsvertretung in Baden-Württemberg sowie Kulturlandstiftungen aus verschiedenen anderen Bundesländern wurden die in RAMONA entwickelten Produkte und Forschungsansätze zu PiK vorgestellt und diskutiert. Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim und Prof. Dr. Frank Lohrberg als Leiter des Projekts RAMONA von der RWTH Aachen begann der Workshop mit einer Arbeitssession zur allgemeinen Bedeutung der Landwirtschaft im Ballungsraum und der Frage, ob landwirtschaftliche Flächen generell noch für die Kompensation von Eingriffen herangezogen werden sollten. Diese Fragen wurden kontrovers diskutiert und es wurde deutlich, dass natürlich auch die Landwirtschaft im Ballungsraum zur Nahrungsmittelversorgung beiträgt und insbesondere auch in diesen Räumen die Produktion qualitativ hochwertiger Produkte eine große Bedeutung hat. Gerade in diesen peri-urbanen Räumen wird aber auch die Multifunktionalität der Landwirtschaft besonders deutlich, da sie zur Pflege der Natur und Landschaft als Erholungsraum für die urbane Bevölkerung beiträgt. Eine Pflege der Kulturlandschaft muss vor allem durch eine naturverträgliche Bewirtschaftung erfolgen, wodurch PiK vor allem auch im Ballungsraum eine klare Berechtigung bekommt.

Nach der Vorstellung einer Definition und grundsätzlichen Fragestellungen zu PiK, lag ein besonderer Schwerpunkt auf der rechtlichen Sicherung von Maßnahmen und dem Unterhaltungszeitraum. In Baden-Württemberg müssen auch rotierende PiK-Maßnahmen in Form von Ankergrundstücken in der Regel grundbuchrechtlich gesichert werden. Eine institutionelle Sicherung wie in Bayern ist bisweilen nicht möglich. Es wird aber deutlich, dass eine derartige Form der rechtlichen Sicherung einerseits die Akzeptanz auf Seiten der Landwirtschaft verbessern kann und anderseits auch die Umsetzung und Effektivität von PiK-Maßnahmen unterstützen kann. Hierbei könnten z.B. befristete Verträge zwischen Landwirt und Institution eine wichtige Rolle spielen. Denn die Unterhaltung von Maßnahmen über einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren kann für einen einzelnen Betrieb oft eine hohe Verantwortung bedeuten, gerade wenn es um für die allgemeine Vorhabenzulassung sensible Artenschutzmaßnahmen geht. Abseits der institutionellen Sicherung wird auch in der Nutzung von Flächen in der öffentlichen Hand ein Potenzial zur rechtlichen Sicherung von PiK-Maßnahmen gesehen.

Neben der Erörterung konkreter Umsetzungskriterien für ausgewählte PiK-Maßnahmen wie Blühstreifen und Lichtäcker wurde auch die in RAMONA entwickelte PiK-Suchraumkulisse vorgestellt. Der Ansatz wurde hinsichtlich einer besseren Etablierung von PiK-Maßnahmen in der Region als sehr vielversprechend angesehen. Die wichtige Kommunikation mit der Landwirtschaft vor Ort sowie eine genaue naturschutzfachliche Raumanalyse vor Ort kann diese allerdings nicht ersetzen, aber zumindest eine relevante Diskussionsgrundlage bei der Suche nach naturschutzfachlich und landwirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen darstellen. Eine Kommunikation muss in diesem Zusammenhang auch mit den Naturschutzbehörden mit Bezug auf das planerische Gesamtkonzept stattfinden, d.h. welche Lebensräume und Arten sollen gefördert werden, Biotopverbund, welche Maßnahmen werden im Gebiet bereits durchgeführt und welche PiK-Maßnahme würde dazu passen.

Im letzten Abschnitt des Workshops wurde der Fokus noch einmal auf die Einbindung und Rolle der Landwirtschaft im Kompensationsgeschehen gelegt. Dies wurde von den Erfahrungen aus dem BMBF Projekt „stadt PARTHE land“ im Großraum Leipzig hinterlegt. Insofern hat sich gezeigt, dass PiK- Maßnahmen sowohl aus ökologischer als auch aus landwirtschaftlicher Sicht erfolgreich sein können. Dazu bedarf es gegenseitiges Vertrauen, bei dem die Landwirtschaft einen gewissen Mehrwert erkennen möchte, auch in Form einer angemessenen Wirtschaftlichkeit. Wesentlich entscheidend ist auch die fachliche Begleitung der Landwirtschaft und das Monitoring. Bisweilen sind viele Hürden bei der Umsetzung von PiK rechtlicher Natur. Zusammenfassend halten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer PiK-Maßnahmen hinsichtlich des ökologischen Aufwertungspotenzials für sinnvoll und sehen den Bedarf für PiK-Maßnahmen aus gesellschaftlicher Sicht.

Alles in allem konnte der Workshop einen guten Überblick über den Status Quo der Produktionsintegrierten Kompensation liefern und potenzielle Chancen und Herausforderungen aufzeigen. Damit wurde auch der besondere Stellenwert von PiK im Rahmen der Weiterarbeit im Projekt RAMONA deutlich.

Weitere Informationen und eine ausführliche Dokumentation, sowie die gezeigten Präsentationen finden Sie unter "Veranstaltungen" auf fona-ramona.de.

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