Kompensation mit Mehrwert – erfolgreiche Seminarreihe fördert Austausch

Logo des Vorhabens RAMONA
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Wie lässt sich der Druck auf die unbebaute Fläche in dicht besiedelten Stadtregionen wie der Region Stuttgart entschärfen? Wie kann man konkurrierende Landnutzungen und verschiedene Flächenansprüche vereinen?

Diesen Fragen ging das Forschungsprojekt RAMONA in der Online-Seminarreihe „Kompensation mit Mehrwert - Neue Wege im Umgang mit Kompensationsmaßnahmen“ auf den Grund. In drei digitalen Seminaren wurden innovative und flächensparende Lösungsansätze vorgestellt, ausgewählte Praxisbeispiele präsentiert und mit ExpertInnen diskutiert. Organisiert wurden die Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg.

 

Kompensation bündeln und interkommunal abstimmen

Das erste Seminar galt dem Thema „Gebündelte Kompensation und interkommunale Abstimmung“ und schlug den Bogen vom Landesbiotopverbund Baden-Württemberg über die regionale Ebene bis hin zur interkommunalen Zusammenarbeit.

Dr. Martin Maier von der Flächenagentur Baden-Württemberg präsentierte verschiedene von RAMONA entwickelte Lösungsansätze. Vorgeschlagen wird u.a. ein regionales Flächen- und Maßnahmenmanagement in Ergänzung zu kommunalen Ökokonten, welches die Bündelung und Multifunktionalität von Maßnahmen, die Lenkung auf konfliktärmere Flächen sowie eine zeitliche und räumliche Flexibilisierung ermöglicht.

Dr. Katharina Schumann vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg ging auf die Rolle der Kommunen bei der Umsetzung des landesweiten Biotopverbundkonzeptes ein. Ziel des Landes ist es, 15% der Landesfläche bis zum Jahr 2030 als Biotopverbundfläche zu sichern. Die dafür notwendigen Vernetzungsstrukturen erfordern eine Konkretisierung des landesweiten Konzepts auf kommunaler Ebene. Zur Unterstützung der Kommunen wurde deshalb zusätzliches Personal (BiotopverbundbotschafterInnen) eingestellt.

Stefanie Clauß vom Verband Region Stuttgart stellte die in RAMONA entwickelte regionale Suchraumkulisse für Kompensationsmaßnahmen vor. Diese basiert auf der Idee, unterschiedliche Themen der Freiraumentwicklung bei gleichzeitigem sparsamem Umgang mit Fläche zu verknüpfen und konkrete Flächen für die Bündelung von Kompensationsmaßnahmen zu identifizieren. Basierend u.a. auf dem Fließgewässernetz stellt die Suchraumkulisse eine Angebotsplanung auf kommunaler Ebene dar.

Als Vertreter des Regionalverbands Südlicher Oberrhein berichtete Klaus Dieter Schulz vom Entstehungsprozess des dortigen Regionalen Kompensationskonzepts. Das methodische Vorgehen vereint verschiedene Aspekte von der Auswertung von Geodaten bis hin zur Geländebegehung. Diese Daten bilden die Grundlage für die planerische Abgrenzung von Suchräumen. Weitere Hinweise zur Abgrenzung kamen aus der Beteiligung relevanter Stakeholder. Die große Bedeutung von zusammenhängenden multifunktionalen Kompensationsmaßnahmen für die Eindämmung der Folgen des Klimawandels wurde hervorgehoben.

Zum Abschluss referierte Adrian Lange, Geschäftsführer des Vereins Interkommunales Kompensationsmanagement im Mittelfränkischen Becken e.V. Das Beispiel aus dem Raum Nürnberg-Erlangen verdeutlichte, wie wichtig die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten sowie die Kommunikation untereinander ist, um Konkurrenzdenken zu reduzieren und möglichst vielen Ansprüchen an eine nachhaltige Flächenentwicklung gerecht zu werden.

Kompensation strategisch vorausdenken

Das zweite Seminar stand unter dem Motto „Vorsorgende Kompensation und strategisches Flächenmanagement“. An drei virtuellen Stationen wurden verschiedene Themenstellungen vertieft betrachtet.

1. Das strategische Flächenmanagement wurde durch Frank Weyherter vom Stadtplanungsamt Nürnberg und Christoph Grünfelder vom Referat für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg vorgestellt. Hierbei wurden der Fokus auf die Multicodierung von Flächen und eine vorausgehende Planung von Schwerpunktgebieten gesetzt. Durch Flächentauschgeschäfte, betreut von der dortigen Flächenagentur, sowie durch Ausgleich im Wald in Kombination mit Artenschutzmaßnahmen und einer aktiven Liegenschaftspolitik (Vorverkaufsrecht nach BayNatSch §39) wird eine Schonung landwirtschaftlicher Flächen erreicht.

2. An der Station „Landschaftsplan und Kompensation“ unterstrich Jochen Roos vom Büro roosplan aus Backnang die Bedeutung des Landschaftsplans für die vorausschauende Planung von Kompensationsmaßnahmen. Im Landschaftsplan können Flächen mit hohem Aufwertungspotenzial identifiziert werden und den Kommunen als Richtschnur für den frühzeitigen Flächenerwerb dienen und somit letztendlich den Zugang zu geeigneten Kompensationsflächen sichern. Immer wichtiger wird für die Aufstellung des Landschaftsplans der Prozess, der alle vor Ort Beteiligten, übergeordnete Planungsträgern und relevanten Aufsichtsbehörden einbezieht und für die landschaftlichen Besonderheiten sensibilisiert.

3. Wie lässt sich das Ökokonto erfolgreich umsetzten? Dieser Frage widmeten sich Dr. Martin Maier, Lina Bauer und Anne Föllner von der Flächenagentur Baden-Württemberg. Hier wurde differenziert zwischen dem baurechtlichen Ökokonto (Kommune ist Planungsträger und Maßnahmenträger zugleich) und dem naturschutzrechtlichen Ökokonto (Bindung an Ökokontoverordnung). Der Fokus der anschließenden Diskussion lag auf der Frage nach Pflege-/ Unterhaltsverpflichtung.

Kompensationsmaßnahmen multifunktional ausgestalten

Das dritte und letzte Seminar startete mit einer kurzen thematischen Einführung in das Thema Freiraumentwicklung und multifunktionale Kompensationsmaßnahmen von Simone Jung (Verband Region Stuttgart). Im Folgenden wurden zwei bereits realisierte Kompensationsmaßnahmen sowie ein geplantes Ökokontovorhaben vorgestellt und zwischen VertreterInnen verschiedener Schutzgüter diskutiert. Es diskutierten mit:

  • Arten/Biotope Dr. Gerhard Bronner, Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.
  • Boden Peter von Schnakenburg, Landeshauptstadt Stuttgart
  • Wasser Prof. Dr. Christian Küpfer, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen
  • Klima Prof. Dr. Jürgen Baumüller, Universität Stuttgart
  • Landschaftsbild Prof. Dr. Michael Roth, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen
  • Mensch/Erholung Dr. Christine Baumgärtner, Verband Region Stuttgart

Widersprüche zwischen den Zielen für unterschiedliche Schutzgüter wurden deutlich. Unumstritten war die Tatsache, dass die Maßnahmen immer nach Einzelfallbetrachtung räumlich als auch eingriffsbezogen bewertet werden müssen. Dabei ist ein besonderer Blick auf das Schutzgut Boden und den Artenschutz zu legen. Beim Boden ist ein gleichartiger Ausgleich selten möglich, so dass hier der Eingriffsvermeidung besondere Bedeutung zukommt. Belange des Artenschutzes führen oft zu ganz speziellen Anforderungen an Kompensation. Multifunktionale Maßnahmen liefern einen wichtigen Baustein, um verschiedene Nutzungsansprüche zu vereinen und mehreren (nicht unbedingt allen) Schutzgütern gerecht zu werden. Gleichzeitig hat auch die Multifunktionalität ihre Grenzen: Maßnahmen können nicht omnifunktional ausgestaltet werden, sondern sind immer die bestmögliche Kompromisslösung.

 

Insgesamt nahmen an den Seminaren jeweils 50 bis 100 Personen teil. Mit der erfolgreichen Durchführung dieser Seminarreihe kommt das Forschungsprojekts RAMONA dem Projektziel näher, einer breiten Öffentlichkeit innovative und flächensparende Ansätze für die Umsetzung von Kompensation zu präsentieren und neue Wege im Umgang damit aufzuzeigen. RAMONA freut sich, in Zukunft an diese Seminarreihe anzuknüpfen und 2022 weitere Fortbildungsangebote zu organisieren.

Entwicklung einer regionalen Kompensationsstrategie (Bild: A. Neuefeind)
Entwicklung einer regionalen Kompensationsstrategie (Bild: A. Neuefeind)

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